Beit Gesher
Der Egalitäre Minjan in Heidelberg |
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Unser Minjan nahm seinen Anfang im Herbst 2008. Zu den Kabbalat-Shabbat-Gottesdiensten in der amerikanischen jüdischen Militärgemeinde in Heidelberg fand sich regelmäßig auch eine Reihe von Personen ohne jede Verbindung zum Militär zusammen. Unter diesen entstand die Idee, einen dauerhaften egalitären Minjan in Heidelberg zu gründen. Während der letzten Monate haben wir uns zu einer kleinen, aber sehr vielfältigen Gruppe entwickelt: unsere Mitglieder kommen aus unterschiedlichen jüdischen Traditionen und mehreren Ländern - so gibt es in unserem Minjan Aschkenasim, Sephardim und Jews-by-Choice, die ihre Wurzeln nicht nur in den USA und Deutschland, sondern beispielsweise auch in Frankreich, Tunesien, Israel, Ungarn, dem Iran und Kroatien haben.
Egalitär
Wir sind egalitär: das bedeutet, dass bei uns Männer und Frauen auch in religiösen Dingen die gleichen Rechte haben. So können sie
gleichermaßen aktiv an Gottesdiensten und Ritualen teilnehmen und beispielsweise den Kiddusch oder die Beracha über die
Schabbat-Kerzen rezitieren, ein D'var Torah vortragen oder den Gottesdienst leiten. Wir sind auch gegenüber Nichtjuden - seien es
Familienmitglieder oder Lebenspartner jüdischer Mitglieder, Kandidaten für einen Giyur, oder einfach Menschen, die sich für das
Judentum interessieren - gastfreundlich und erlauben ihnen, im Rahmen der von der Halacha vorgegebenen Regeln an Gottesdiensten
und Ritualen teilzunehmen.
Partizipativ
Unser Minjan funktioniert vollständig auf freiwilliger Basis. Es gibt keine Mitgliedsbeiträge (wir freuen uns jedoch über
koscheren Wein für Kiddusch und Havdala oder über einen kulinarischen Beitrag zu unserem nächsten Potluck), und alle unsere
Veranstaltungen - von Gottesdiensten über Purim-Parties bis hin zu kulturellen Aktivitäten - sind das Ergebnis persönlichen
Engagements unserer Mitglieder. Unser Ziel ist es, einen dynamischen und freundlichen Rahmen für lebendiges Gebet, ernsthaftes
Lernen und geselliges Miteinander zu schaffen, welcher den Bedürfnissen jedes einzelnen von uns gerecht wird.
Wir sind davon überzeugt, dass wir unseren Minjan gemeinsam am besten gestalten und leiten können. Jeder einzelne ist dazu aufgerufen, sich in unsere Tätigkeit einzubringen, Änderungen vorzuschlagen oder neue Initiativen ins Leben zu rufen. Auf diese Weise wollen wir zusammen eine Kehilla schaffen, die unseren Ansprüchen gerecht wird.
Unser Minjan ist noch im Entstehen begriffen: zwar bedeutet dies, dass wir noch ziemlich klein sind und es noch viel zu tun gibt, bevor unsere Kehilla so lebhaft und aktiv ist, wie wir sie gerne hätten, aber gleichzeitig bietet sich so auch für jeden einzelnen von uns die Chance mitzubestimmen, in welche Richtung sich unsere Gemeinschaft entwickeln wird.
Traditionell
Während wir uns von vielen anderen jüdischen Gemeinden durch unsere egalitären Werte und unseren partizipativen Ansatz
unterscheiden, sind wir gleichzeitig fest in der jüdischen Tradition verankert. So ist die wichtigste Gebetssprache bei uns
Hebräisch. Unsere Mitglieder sind dazu aufgerufen, mehr über jüdische Bräuche und Gesetze und über unsere Geschichte zu lernen und
ihre Kenntnis der hebräischen Sprache zu erweitern, um selbst möglichst fundierte Entscheidungen für ihre persönliche Praxis
treffen zu können. Ganz gleich, ob jemand nur rudimentäre Kenntnisse der jüdischen Tradition hat und sie nun besser kennenlernen
möchte oder bereits über tiefgehendes Wissen verfügt, das er gerne mit uns teilen möchte – wir bieten einen Rahmen, in dem
jeder Interessierte lernen oder lehren kann.
Wir haben das Ziel, in unserem Minjan eine offene und freundliche Atmosphäre zu schaffen, in der sich Juden aus unterschiedlichen Traditionen gleichermaßen wohlfühlen.
Beit bedeutet "Haus", und viele Menschen verbinden mit einer Synagoge in erster Linie ein beit tefilla ("Gebetshaus"). Aber sie ist ebenso sehr ein beit midrasch ("Lehrhaus") und ein beit knesset ("Versammlungshaus"). Wir versuchen, diese drei Funktionen - Gottesdienst, gemeinsames Lernen und geselliges Miteinander - miteinander zu verknüpfen.
Gesher bedeutet "Brücke". Unser Minjan gründet auf dem Gedanken, zwischen unseren unterschiedlichen Nationalitäten und unseren sephardischen und aschkenasischen Kulturen eine Brücke zu bauen. Gleichzeitig verstehen wir unsere Gemeinschaft auch als Brücke zwischen unseren unterschiedlich strengen Auffassungen von religiöser Observanz, zwischen dem Judentum und nichtjüdischen Mitgliedern von interkonfessionellen Familien und Paaren, sowie zwischen unserem modernen Lebensstil und unserem kulturellen und religiösen Erbe. Wir begreifen unsere Verschiedenheit als Bereicherung, die es uns ermöglicht, voneinander zu lernen.
Wir sind eine offene, freundliche und partizipative Gemeinschaft und freuen uns auf Ihren Besuch!
Auch Gäste sind bei uns jederzeit herzlich willkommen. Kommen Sie einfach zum nächsten Minjan oder einer anderen Veranstaltung vorbei.
